PNE Wind: Die Zweifel am Großbritannien-Deal wachsen stark – Aktie rutscht ab

PNE Wind: Die Zweifel am Großbritannien-Deal wachsen stark – Aktie rutscht ab

Update: 17:30 Uhr: Mittlerweile erhebt PNE-Großaktionär Volker Friedrichsen schwere Vorwürfe gegen den Vorstandsvorsitzenden von PNE Wind, Martin Billhardt, und Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Kuprian sowie dessen Stellvertreter. Der Hintergrund: Gestern auf der Hauptversammlung sollen Abstimmungsergebnisse rechtswidrig zurückgehalten worden sein. Man prüfe rechtliche Schritte. Die ganze Story: Hier klicken.

Es war bereits im Vorfeld abzusehen, dass die gestrige Hauptversammlung der Aktionäre des Cuxhavener Windenergieunternehmens PNE Wind wenig harmonisch ablaufen wird. Ein tiefer Riss klafft zwischen dem Aufsichtsratschef Dieter Kuprian und Konzernvorstandschef Martin Billhardt auf der einen Seite und Volker Friedrichsen auf der anderen Seite – letzterer ist größter Einzelaktionär des Windparkprojektierers, hält rund 15 Prozent der PNE Wind Aktien und sitzt ebenfalls im Aufsichtsrat. „Das Tischtuch ist zerschnitten“, hatte Friedrichsen jüngst im Interview mit www.4investors.de zum Verhältnis zwischen ihm und dem Duo Kuprian/Billhardt geäußert.

Entzündet hat sich der Streit zwischen den „starken“ Personen bei PNE Wind um die Bezüge von Vorstand und Aufsichtsrat. Diese sind zu hoch nach Friedrichsens Ansicht, der von einer „Selbstbedienungsmentalität“ bei seinen beiden Gegnern spricht. Ein Vorwurf, der sich im Rahmen der Hauptversammlung deutlich erhärtete. So war nicht nur eine Dienstreise nach Südafrika Thema, sondern unter anderem auch die Bezüge Kuprians. In seiner Funktion als Aufsichtsrat bei PNE Wind und auch der WKN AG, einer Tochter der Cuxhavener, kassiert dieser mehr als viele Aufsichtsratsvorsitzende von DAX-Konzernen. Hinzu kam, dass die Norddeutschen Kuprians Aufsichtsratsbezüge im 2014er-Geschäftsbericht mit 0,23 Millionen Euro angaben, allerdings nicht über die weiteren Einnahmen als Aufsichtsrat bei WKN informieren – noch einmal mehr als 0,11 Millionen Euro, was bei den Anteilseignern für Ärger sorgte. Die Reaktion auf die Enthüllung: Kuprian will zukünftig auf das Salär bei der WKN verzichten.

PNE muss Hauptversammlung ergebnislos vertagen

Die Wogen allerdings glättete das nicht mehr. Es kam zu einer kontrovers geführten Aussprache, bei der laut Beobachtern das Friedrichsen-Lager inhaltlich gepunktet habe und PNE Winds Management einige Informationen schuldig geblieben sei. Dies betraf insbesondere die Vorwürfe des Konzerns gegen Aufsichtsrat Friedrichsen, dass dieser beim Verkauf der WKN AG an PNE Wind wichtige Informationen zurückgehalten und so einen millionenschweren Schaden für PNE Wind verursacht habe. Windparkprojekte der WKN AG sollen überbewertet gewesen sein. Der ehemalige WKN-Mehrheitseigner dementiert dies und sieht in den Vorwürfen einen Versuch der Gesellschaft, ihn wegen seiner Kritik an den Bezügen aus dem Aufsichtsrat zu drängen.

In dem verfahrenen Streit zwischen den Personen hätte die gestrige Hauptversammlung eine Lösung bringen sollen. Gegenseitige Abwahlanträge für Aufsichtsratsmitglieder und Neubesetzungsvorschläge standen zur Abstimmung. Von Aktionärsseite kam ein Vorschlag, den kompletten Aufsichtsrat neu zu wählen. Doch dazu kam es nicht, die Versammlung wurde vertragt, nachdem bis Mitternacht keine Ergebnisse vorlagen. Für PNE Wind bedeutet dies weiter anhaltende Unsicherheit über die zukünftige Besetzung der wichtigsten Schaltstellen im Vorstand und Aufsichtsrat des Konzerns. Ein neuer Termin für die Weiterführung der Hauptversammlung steht bisher nicht fest.

Dafür steht dem Unternehmen möglicherweise neuer Zwist mit den Anteilseignern ins Haus. Kritik kommt Beobachtern zufolge zum einen an möglichen Verzögerungstaktiken auf der Hauptversammlung, um sich in die Vertagung zu retten – die Stimmung war dem Vernehmen nach gegen Vorstands- und Aufsichtsratschef gekippt. Hinzu kommt Verstimmung bei einigen Aktionären über den überraschenden Verkauf der britischen Tochtergesellschaft PNE Wind UK. Der Deal spült mit bis zu rund 141 Millionen Euro, die in mehreren Tranchen bis 2020 fließen sollen, zwar reichlich und dringend benötigte Gelder in die Kassen des Windparkprojektierers. Zugleich aber beraubt er die Norddeutschen vieler Wachstumschancen und eines wichtigen Teils der Projektpipeline. Das Problem: Nur rund 55 Millionen Euro der Summe sind fix, der Rest wird erfolgsabhängig in Form diverser Meilensteinzahlungen fließen, die von der tatsächlichen Entwicklung der Projektpipeline in Großbritannien abhängig sein. PNE Wind bleibt damit trotz des Verkaufs über Jahre hinweg weiter im operativen Risiko und von der tatsächlichen Entwicklung der Windparkprojekte abhängig.

Aktivitäten in Großbritannien zu billig verkauft?

Hinzu kommen Zweifel in Branchenkreisen, dass PNE Wind beim Verkauf des Geschäftes in Großbritannien optimal verhandelt hat. Ohnehin ist der ausgehandelte Deal maximal der „Plan B“ des Unternehmens, das die Pipeline eigentlich in Kooperation mit einem Investor selbst weiterentwickeln wollte. Daraus wird nach dem ausgehandelten Verkauf nun nichts. Der Vorstand soll unter Druck gestanden haben, noch vor der Hauptversammlung einen Deal auszuhandeln, um die Positionen Kuprians und Billhardts auf der Hauptversammlung zu stärken. PNE habe einen Erfolg vorweisen wollen. Entsprechend falle der ausgehandelte Preis aus, so die Kritik.

Dazu passt der Kursverlauf: Nachdem die PNE Aktie direkt nach der Meldung über den Verkauf der britischen Aktivitäten von 2,20 Euro auf bis zu 2,40 Euro nach oben schoss, hat sie mittlerweile sämtliche Gewinne wieder abgegeben. Im Handel am Mittwoch pendelt der Kurs nach der Vertagung der Hauptversammlung nach einer Eröffnung bei 2,28 Euro vornehmlich zwischen 2,17 Euro und 2,22 Euro.

Tags: PNE Wind

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Michael Barck

Chefredakteur cleantechaktien.de

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