Solarworld: Das Tauziehen mit Hemlock bleibt ein Dauerrisiko für die Aktie

Solarworld: Das Tauziehen mit Hemlock bleibt ein Dauerrisiko für die Aktie

Für den Solarenergiekonzern Solarworld sind die neuesten Nachrichten zum Rechtsstreit mit dem Siliziumhersteller Hemlock keine guten Nachrichten. Das zuständige US-Gericht wird im Schadenersatzstreit entscheiden, ohne eine Jury herbeizuziehen. Es zeichnet sich derzeit ab, dass der Bonner Konzern den Rechtsstreit um Schadenersatz gegen Hemlock in erster Instanz verlieren wird – mit ungewissem Ausgang.

Es geht um 770 Millionen Dollar, die Hemlock von einer Solarworld Tochter fordert, weil diese Abnahmeverpflichtungen aus einem Liefervertrag nicht eingehalten hat. Die Bonner sehen den Prozess bisher einigermaßen gelassen: Rückstellungen hat man gar nicht erst gebildet, denn der Vertrag verstoße gegen europäisches Kartellrecht, argumentieren die Rheinländer. Das US-Gericht entscheidet aber nicht nach europäischen Rechtsnormen, eine juristische Niederlage von dem United States District Court for the Eastern District of Michigan zeichnet sich daher ab. Allerdings ist ein endgültiges Urteil von dem Gericht noch nicht verkündet worden – auch wenn sich dies in einigen Presseartikeln anders liest. Bisher steht auch noch kein Verkündigungstermin fest.

Dennoch werden die europäischen Richtlinien früher oder später eine Rolle spielen. Will Hemlock Geld von den Bonnern sehen, wird man sich – so versichert Solarworld – an hiesige Gesellschaften wenden müssen. Die US-Tochter von Solarworld führt nach Angaben des Konzerns kein Vermögen, das gepfändet werden könnte. Will Hemlock in Europa vollstrecken, würden heimische Gerichte die Ansprüche auch nach europäischen Normen beurteilen. „Gegen die zugrunde liegenden Lieferverträge bestehen nach europäischem Recht kartellrechtliche Bedenken“, so Solarworld heute in einer Stellungnahme.

Hemlock-Streit wird sich wohl noch lange hinziehen

Ohnehin müsste für eine Durchsetzung von Ansprüchen durch Hemlock gegen Solarworld in den USA erst einmal ein letztinstanzliches Urteil vorliegen. Bisher befindet sich der Schadenersatzprozess in der ersten Instanz. Verliert Solarworld diese, wird man Rechtsmittel einsetzen – dies wurde bereits angekündigt. Beobachter rechnen damit, dass sich das Tauziehen noch über viele Jahre hinziehen wird, derzeit mit ungewissem Ausgang. Einige Aktienexperten spekulieren allerdings darauf, dass Hemlock kein Interesse daran haben wird, Solarworld in eine Pleite zu schicken.

Genau das wäre aber wohl die Folge, wenn die gerade erst sanierte Solarworld die Summe tatsächlich an den US-Siliziumkonzern zahlen müsste. Mit diesem Risiko wird die Börse wohl noch eine lange Zeit leben müssen, es sei denn beide Gesellschaften einigen sich parallel zum Prozess in gütlicher Form. Wie sehr der Markt vor diesem Risiko zittert, sieht man auch an der heutigen Kursreaktion der Solarworld-Aktie: Diese rauscht heute bis auf 4,96 Euro in die Tiefe, kann sich anschließend wieder etwas erholen und Verluste abbauen. Am späten Nachmittag liegt die Solarenergieaktie bei 5,27 Euro mit 11,71 Prozent allerdings immer noch deutlich im Minus.

About Author

Michael Barck

Chefredakteur cleantechaktien.de

Comments

Write a Comment

Your e-mail address will not be published.
Required fields are marked*